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Trennendes und Verbindendes: Grenzen auf dem Weg

Landhecken und Schlagbäume - Straßen machen nicht vor Ländergrenzen halt 

Erstmal eine gruselige Geschichte

Eine Siegerländer Sage erzählt von einem Fuhrmann, der mit Eisen aus dem Siegerland ins Sauerland unterwegs war und nach einer Rast in einem Gasthaus beim sog. „Kölschen Heck“ (Grenzbefestigung) bei Altenkleusheim in ein Gewitter geriet. Rasend vor Wut – offensichtlich war er mit seiner Lieferung spät dran – ritt er seine Pferde Zu Tode und kam dabei selbst um. Es wird gemunkelt, dass: manch ein nächtlicher Wanderer seitdem den Geist des Fuhrmanns auf dem alten Heck gesehen hat.Der Geist kann getrost in das Reich der Mythen und Sagen verwiesen werden, aber alles andere deutet auch den wahren Kern der Geschichte hin: Das Siegerland war damals vom "kurkölnischen" Sauerland durch eine Grenzbefestigung in Form von Gräben und Wällen abgegrenzt. Auf der alten Wegtrasse beim ehemaligen Grenzdurchgang zwischen dem „kölnischen“ Altenkleusheim (OE) und dem „nassauischen“ Kreuztal (SI) sind heute noch Reste der alten Grenzbefestigung und der alten Straßenführung zu finden. Der in der Sage benannten Gasthof in Kreuztal-Krombach diente vormals als Vorspannstation für die Pferdefuhrwerke und kann als "Gasthof Hambloch" auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken.

Das "Kölsche Heck" ist bis in die heutige Zeit Territorial- bzw. Kreisgrenze, Sprach- und Konfessionsgrenze

Einige sichtbare Zeugen dieser Grenzen und Wege finden Sie hier>>>

  

Nette Nachbarn?

So stellt man sich nette Nachbarn vor: Die Sauerländer verspöttelten heute immer noch das Siegerland als „Hippeland“ (Ziegenland). Die Siegerländer Berg- und Hüttenmänner mussten sich nämlich Nebenerwerb mit Landwirtschaft über Wasser halten. Ob da immer noch durchblinkte, dass die Siegerländer harte Verhandlungspartner waren, wenn es um die Rohstoffpreise ging?

Wenn eine Hausfrau oder ein Hausmann im Märkischen Sauerland einen "Kölsche Wisch macht", dann heißt das nichts anders, als dass die- oder derjenige nicht gründlich genug putzt. Sind die Märkischen Nachbarn vielleicht etwas misstrauisch gegenüber der kurkölschen Lebensfreude, die durchaus mal den lieben Gott einen guten Mann sein lassen kann. Anders, als angeblich die so streb- und arbeitssamen Protestanten? Ein überholter Mythos freilich - aber vielleicht mit einem Stückchen Wahrheit.

Nein, es herrschte beileibe nicht immer Frieden im Lande der Eisenstraße. Es galt Grenzen zu überwinden, Wegezölle zu entrichten, unliebsame Konkurrenten auf dem Eisenmarkt auszuschalten, die eigene landesherrliche Wirtschaftspolitik zu wahren, Technikgeheimnisse zu hüten, Preise zu drücken.  Die vielen Überlieferung zu den schlagkräftigen Auseinandersetzungen vor allem am sog. "Kölschen Heck" zwischen Kurköln und Nassau und die Erzählungen über –manchmal auch frivolen – Übergriffen sprechen Bände. Manch ein Fuhrmann musste auf den schmalen Wegen das Recht des Stärkeren behaupten.

 

Nassauer, Märker und Kurkölner: Territorial- und Konfessionsgrenzen

 Ein bisschen Geografie...

Der Kreis Siegen-Wittgenstein, der Kreis Olpe sowie der Märkische Kreis gehören heute zum Raum Westfalen-Lippe in NRW. Das Wittgensteiner Land im Norden berührt den Hochsauerlandkreis sowie Hessen. Das Siegerland grenzt an Hessen im Osten, an Rheinland-Pfalz im Süden, hier stößt der Kreis Altenkirchen als nördlichster Kreis in Rheinland-Pfalz an NRW. Der Kreis Olpe bildet eine Art Puffer zwischen dem Märkischen Kreis und dem Kreis Siegen-Wittgenstein im Westen bzw. Osten und dem Bergischen Land im Süden und dem Hochsauerland nördlich der Region. Der Märkische Kreis bildet mit der Stadt Hagen und dem südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis die „Märkische Region“. Hagen und Ennepe-Ruhr-Kreis haben eine Art Scharnierfunktion ins Ruhrgebiet.

...und etwas Geschichte

Auch bei uns galt es wie überall in Deutschland: Dem die Macht, dem die Religion: Die Märkische Region gehörte bis zur Gründung der Preussischen Provinz Westfalen (1815) zur Grafschaft (Kleve-)Mark, der Kreis Olpe war dem Herzogtum Westfalen, also Kurköln, angegliedert. Das Siegerland (ohne Wittgenstein) unterstand der Herrschaft Nassau (-Oranien) und kam erst später an Preussen (1816/17). Die Märkische Region wurde nach der Reformation protestantisch, der Kreis Olpe blieb katholisch und das Siegerland wurde zwar mehrheitlich protestantisch-calvinistischer Prägung, durch das konfessionell geteilte Herrscherhaus Oranien kamen aber durchaus schon mal „Wechsel“ und katholische Landstriche vor. In Siegen residierte die katholische Linie der Nassauer übrigens im Oberen Schloss, die protestantische Linie im Unteren Schloss. Allein das war bis vor nicht allzu langer Zeit eine „interessante“, manchmal aber auch eine explosive Mischung.

Wissbegierige finden auf der Homepage des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe eingehendere Informationen zur (süd)westfälischen Landesgeschichte>>>

 

Wir verstehen uns

Die historischen Grenzen ziehen auch sprachliche Hürden nach sich, die immer wieder für Missverständnisse, aber auch für Erheiterung sorgen können. Zu den südwestfälischen Mundarten erfahren Sie HIER>>> mehr.

 

Trotzdem - oder gerade deswegen - gestalten wir die Eisenstraße gemeinsam

Der (einstmaligen) Territorial- und Sprachgrenzen  und konfessionellen Unterschiede zum Trotz hat die gemeinsame, arbeitsteilig ausgerichtete Wirtschaftsgeschichte einen Art roten Faden zwischen den „Märkern“, den „Kurkölnern“ im Kreis Olpe und den „naussauischen“ Siegerländern sowie den Saynern im Kreis Altenkirchen gesponnen. Die „Eisenstraße Südwestfalen“ möchte diesen roten Faden durch die Region aufgreifen, wieder zusammenknüpfen und für alle sichtbar machen.

Alte und neue Handelswege, Dialektgrenzen, alte Herrschaftsgrenzen in unserer Region.

Der Grenzgang über den Höhenzug der Wasserscheide ( Ruhr / Sieg )

Hohlwege am Krombacher Schlag / Altes Heck

Der Krombacher Schlag auf dem 'Alten Heck' ist ein historischer Grenzübergang an der Siegener Landhecke. Von der alten Wegtrasse sind noch zahlreiche Hohlwege zu erkennen. Es ist davon auszugehen, das dieses Teilstück einer Kunststraße, die von Frankfurt über Siegen, Olpe, Meinerzhagen, Breckerfeld und Hagen (Hagen-Frankfurter Chaussee) weiter nach Holland führte, bereits als einfache Wegeverbindung seit dem Mittelalter bestand.

WasserEisenLand e. V. (Hg.), Erlebnisführer Eisenstraße Südwestfalen. Die Eisenstraße und ihre Geschichte. Klartext-Verlag Essen, 2016. zahlr. farb. Abb., Broschur, 14,95 €, ISBN 978-3-8375-1669-2
Erhältlich im Buchhandel.
Weitere Informationen finden Sie hier >>>

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